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Forschungstagebuch: Qualitative Methoden und kreativer Prozess

Rosi Würtz 0

Kalenderwoche 34 beinhaltete unter anderem, dass ich dieses Tagebuch begonnen habe. Warum, wieso, weshalb? Ich merke, dass das Schreiben über meine Doktorarbeit meine Gedanken auf eine ganz eigene Art und Weise ordnet. Diese Ebene der Neusortierung und kreativen Reflexion gibt mir Impulse, die ich gerne auch mit anderen Menschen teilen möchte. Für die Schublade zu produzieren war noch nie so wirklich mein Ding. Und daher dieses öffentliche Ausschütten meiner Gedankenwelt.

Ablenkende Spaziergänge

Gestern fragte mich eine Bekannte, ob ich mal wieder Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang hätte und ob ich morgen am Sonntag dafür Zeit hätte. Innerlich schnürte sich alles direkt zusammen, weil ich doch sonntags seit geraumer Zeit meine Sichtungstermine für die Social-Media-Kanäle von Krankenhäusern habe. Ein Spaziergang bedeutet derzeit Ablenkung, aus der ich nur schwerlich wieder in mein Dissertationsthema finde.

(Wissenschaftliches) Schreiben ist für mich eine durchaus anstregende Tätigkeit, bei der schon kleinste Ablenkungen einen guten Gedanken zerfetzen können. Oft sitze ich am Schreibtisch und habe Jazz-Lounge-Musik auf meinem Kopfhörer, quasi die Simualtion einer Cafésituation, in der ich gut ins Schreiben komme und die Außenwelt nicht mehr so deutlich wahrnehme.

Bewegungstage nenne ich die Tage, an denen ich jenseits meines Schreibtisches die Dinge “da draußen” erledige: Einkäufe, Gartenarbeit, Spaziergänge, Treffen und alles, was so umgangssprachlich mit “sozialem Leben” bezeichnet wird. Nur mit einer gewissen Disziplin, die die Dynamik des Lebens nicht erstickt, aber immerhin gewissermaßen ein kleines Stückchen planbar macht, kommen meine Gedanken sinnvoll zu Papier.

Lektüresonntag

Der angefragte Spaziergang mit meiner Bekannten ist also abgelehnt und so starte ich meinen Sonntag mit der Lektüre eines Methodenbuches: “Gegenstand und Methoden qualitativer Sozialforschung: Einblicke in die Forschungspraxis”, herausgegeben von Jasmin Donlic und Irene Strasser und erschienen ganz frisch in diesem Jahr. In ein kleines Notizbuch schreibe ich ein paar erste Stichwörter, die mich bei der Lektüre des ersten Kapitels sehr beeindruckt haben:

  • Forschungsstrategie oder Forschungszugang, als Altervative zur Bezeichnung “Forschungsmethode”: Das hat defintiv etwas schmackhaftes für mich an sich. Strategie klingt nach einem offenen Prozess, der mittels Reflexion hinterfragt und entsprechend der neugewonnen Erkenntnis angepasst wird.
  • Die Gegenstandsangemessenheit fußt auf einem offenen, partizipativen Zugang und wird nicht durch die Methode bestimmt. Klingt logisch, ist aber während meines grundständigen Soziologiestudiums oft nur in Nebensätzen zum Ausdruck gekommen.
  • Forschung, und auch die Qualitative Sozialforschung mit all ihren Strömungen und Schulen, ist als ein kritischer und kreativer Prozess zu verstehen.

Die weitere Lektüre verspricht diverse Einblicke in die Entscheidungsfindung, die die dort in diesem Buch schreibenden Forscher*innen während ihrer Forschunsprojekte erlebt haben. Endlich mal Texte, die in gut zu verdauender Textkürze aus dem Forschungsalltag berichten.

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